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Essen, dem wir vertrauen können

Probleme

In unserem Lebensmittelsystem läuft vieles falsch. Mit den derzeitigen Ressourcen könnte die gesamte Weltbevölkerung ernährt werden. Doch unser Landwirtschaftssystem wird dieser Aufgabe nicht gerecht. Die globale Agrarindustrie wird von wenigen Konzernen bestimmt, die vor allem an Profiten interessiert sind. Die Agrarindustrie verbraucht enorme Ressourcen wie Wasser, gesunde Böden und Chemikalien. Dennoch landet ein Drittel der weltweit erzeugten Nahrung direkt im Müll. Wo liegen die Ursachen für diese Fehlentwicklung?

Konsumentinnen und Konsumenten

Nie zuvor hatten VerbraucherInnen in Europa eine größere Auswahl an Essen. Durch Lieferdienste, Imbiss-Stände und Tiefkühlkost ist Essen praktisch immer und überall verfügbar. Und immer öfter muss es schnell gehen: Studien in mehreren Ländern zeigen, dass wir uns immer weniger Zeit für gemeinsames Kochen und Essen nehmen.

Essen wird damit vom gesellschaftlichen Ereignis zur Ware. Und damit steigt das Preisbewusstsein rund um Nahrungsmittel: In den 1950ern wurden noch 45% des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Heute sind es 11%. Oft wird beim Einkauf billiger Fertigware statt hochwertiger Nahrung der Vorzug gegeben. Geschaut wird vermehrt auf den Preis – nicht auf die Qualität.

Produzentinnen und Produzenten

Das steigende Preisbewusstsein der KonsumentInnen verschärft den Preisdruck im Handel. Und dieser wird oft an ErzeugerInnen weitergegeben. Durch Druck von Großabnehmern und die schwierige Wirtschaftslage bekommen Bäuerinnen und Bauern immer weniger Erlöse für ihre Erzeugnisse.

Darunter leidet die Qualität der Produkte. Denn eine nachhaltige, ökologische Produktion braucht mehr Zeit und Arbeitskraft. Und diese Ressourcen können ErzeugerInnen unter dem starken Preisdruck des Handels nicht aufbringen. Stattdessen werden Methoden und Mittel eingesetzt, um die Produktion billiger zu gestalten: Glyphosat und andere gefährliche Chemikalien werden verbreitet zur Unkrautvernichtung eingesetzt. Regionale Sortenvielfalt weicht immer weniger Standardware. Und in der Tierhaltung werden verbreitet Antibiotika eingesetzt, damit möglichst viele Tiere auf engem Raum gehalten werden können. Das schadet nicht nur dem Klima, den Gewässern und Böden. Es führt auch dazu, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in die Lebensmittel-Industrie verlieren.

Industrie und Politik

Die Abhängigkeit von Agro-Chemikalien und effizientem Saatgut kommt vor allem der Industrie zugute. Denn zwischen den weltweit 7 Milliarden VerbraucherInnen und knapp 600 Millionen LandwirtInnen stehen wenige Großkonzerne, die das Lebensmittelsystem kontrollieren. Weniger als 10 Firmen kontrollieren zwei Drittel des globalen Saatguthandels und 75% des Weltmarkts für Agrar-Chemikalien. Ähnlich konzentriert ist die Macht bei den großen Einzelhändlern und Lebensmittel-Verarbeitern.

Um die Versorgung mit Nahrung nicht länger den Interessen von Konzernen zu überlassen, muss die Politik gegensteuern. Etwa durch die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union, welche die Verteilung des größten EU-Budgettopfes regelt. Doch bisher fließt nur ein geringer Anteil der Fördermittel in nachhaltige Landwirtschaft. Der Großteil des Geldes erhält weiterhin ein Lebensmittel-System, das längst nicht mehr funktioniert.