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Warum Österreich sich nicht selbst versorgt – obwohl wir es könnten!

Mythos Eigenversorgung

Lange Schlangen vor den Supermarktkassen, Lücken in den Regalen: Corona hat gezeigt, dass auch in Österreich Versorgungsengpässe möglich sind. Und das, obwohl unser Land fruchtbar und unsere LandwirtInnen fleißig sind. Doch zu viele Nahrungsmittel müssen importiert werden.

Welche Lebensmittel werden in Österreich selbst produziert?

Für eine gesunde Ernährung ist unsere Versorgung mit Obst und Gemüse entscheidend. Bei der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse, das problemlos in Österreich angebaut werden könnte, zeigt sich allerdings ein wenig erfreuliches Bild: Nur 71 Prozent des Bedarfs an heimischen Obst und 58 Prozent des Gemüses werden in Österreich produziert. Obst, das in Öster­reich ohnehin nicht wächst, wie Bananen oder Orangen, ist hier bereits rausgerechnet.

Der Selbstversorgungsgrad mit Gemüse hat in den letzten Jahren sogar abgenommen.

Tomaten: 20 Prozent Eigenversorgung

Ob Paradeiser oder Tomaten genannt, 30 Kilo der roten Frucht essen ÖsterreicherInnen im Durchschnitt pro Jahr. Vier von fünf davon werden importiert: Der Selbstversorgungs­grad liegt bei gerade einmal 20 Prozent.

Hauptimportland für frische Tomaten ist Spanien mit rund 12.600 Tonnen (26 Prozent aller Importe), gefolgt von Italien mit rund 9.700 Tonnen (20 Prozent) und den Niederlanden mit rund 7.100 Tonnen (15 Prozent).

Spargel: 47 Prozent Eigenversorgung

Über ein Kilogramm des beliebten Frühlingsgemüses wird in Öster­reich pro Kopf und Jahr gegessen. 53% davon kommen nicht aus Österreich.

Hauptimportland ist Italien mit rund 1.400 Tonnen Spargel (40 Prozent aller Importe), gefolgt von Deutschland mit rund 500 Tonnen (13 Prozent) und Spanien mit rund 400 Tonnen (12 Prozent). Bereits verarbeiteter oder haltbar gemachter Spargel kommt besonders häufig aus Peru (rund 160 Tonnen) und China (rund 130 Tonnen).

Mohn: 36 Prozent Eigenversorgung

Mohnzöpfe, Mohnschnecken, Mohnkuchen oder auch Germknödel: Mohn ist ein wichtiger Bestandteil der traditionellen österreichischen Küche. Etwa ein halbes Kilogramm Mohn konsumieren die Menschen in Österreich im Schnitt pro Jahr. Aber der Eigenversorgungsgrad beträgt nur 36 Prozent. Angebaut wird Mohn in Österreich in erster Linie im niederösterreichischen Waldviertel.

Mit Abstand das wichtigste Importland für Mohn ist die Tschechische Republik mit rund 4.200 Tonnen (77 Prozent aller Importe). Es folgen Deutschland mit 400 Tonnen (8 Prozent) und Polen mit rund 300 Tonnen (6 Prozent).

Äpfel: 88 Prozent Eigenversorgung

Apfelstrudel, Apfelsaft oder einfach Pur: Der Apfel ist das Lieblingsobst der ÖsterreicherInnen. 21 Kilogramm Äpfel werden pro Kopf und Jahr verzehrt, fast doppelt so viel wie Bananen, von denen dreizehn Kilogramm gegessen werden. Hauptanbaugebiet für Äpfel in Österreich ist die Steiermark. Drei von vier österreichischen Äpfeln wachsen hier. Der Selbstversorgungsgrad bei 88 Prozent – was wetterbedingt extrem schwanken kann. So lag der Eigenversorgungsgrad für die Saison 2014/15 bei 109 Prozent. In der Saison 2016/17 lag der Eigenversorgungsgrad für Äpfel hingegen nur bei 59 Prozent.

Birnen: 72 Prozent Eigenversorgung

Nach dem Apfel ist die Birne das zweitmeistverzehrte heimische Obst, mit vier Kilogramm pro Kopf. Hauptanbaugebiet für die Birne ist die Steiermark (52 Prozent der Anbauflächen), gefolgt von Niederösterreich (32 Prozent). Der Selbstversorgungsgrad liegt bei 72 Prozent.

Wichtigstes Importland für Birnen ist Italien mit rund 7.200 Tonnen (30 Prozent aller Importe) im Jahr 2019, gefolgt von Deutschland mit rund 4.500 Tonnen (19 Prozent der Importe) und den Niederlanden mit rund 4.000 Tonnen (16 Prozent der Importe).

Erdbeeren: 39 Prozent Eigenversorgung

Fast drei Kilogramm Erdbeeren essen die Menschen in Österreich pro Kopf pro Jahr. Damit ist die Erdbeere die wichtigste Beere. Sie wird vor allem in Niederösterreich und Oberösterreich angebaut. Der Selbstversorgungsgrad in Österreich liegt aller­dings nur bei 39 Prozent.

Wichtigstes Importland für Erdbeeren ist Spanien mit rund 11.200 Tonnen (35 Prozent aller Importe) im Jahr 2019, gefolgt von Polen mit rund 6.100 Tonnen (19 Prozent) und Deutschland mit rund 3.300 Tonnen (10 Prozent).

Kirschen und Weichseln: 65 Prozent Eigenversorgung

Auch Kirschen sind vielseitiges Obst – sie schmecken nicht nur roh, sondern auch als Saft oder im Kuchen. Über zwei Kilogramm Kirschen und Weichseln pro Kopf ist daher Österreichs Verbrauch, der Selbstversorgungsgrad liegt aber nur bei 65 Prozent. Die meisten österreichischen Kirschen und Weichseln werden in der Steiermark ange­baut (46 Prozent). Danach folgen Niederösterreich (26 Prozent) und Oberösterreich (16 Prozent).

Kirschen oder Weichseln kommen in erster Linie aus der Türkei – im Jahr 2019 rund 9.500 Tonnen (41 Prozent aller Importe), gefolgt von Serbien mit 7.500 Tonnen (32 Pro­zent) und Polen mit 1.700 Tonnen (7 Prozent).

Marillen: 40 Prozent Eigenversorgungsgrad

Marillenknödel, Marillenmarmeladepalatschinken, sogar Marillenschnaps zeigen, wie wichtig die orange Frucht in der Traditionsküche ist. Rund zweieinhalb Kilogramm Marillen konsumiert jede Person in Österreich im Schnitt pro Jahr. Österreichische Marillen werden vor allem in Nie­derösterreich (66% Prozent, z.B. Wachauer Marillen) angebaut. Der Selbstversor­gungs­grad liegt allerdings im fünfjährigen Mittel bei nur 40 Prozent.

Wichtigste Importländer für Marillen waren 2019 Italien mit rund 6.500 Tonnen (43 Prozent aller Importe), Spanien mit rund 3.500 Tonnen (23 Prozent) und Ungarn mit rund 1.800 Tonnen (12 Prozent).

Knoblauch: 20 Prozent Eigenversorgung

Etwa ein halbes Kilogramm Knoblauch verzehrt jede Person in Österreich im Schnitt pro Jahr. Allerdings deckt der Anbau in Österreich nur 20 Prozent des Bedarfs.

Wichtigstes Importland ist Spanien mit rund 1.900 Tonnen im Jahr 2019 (44 Prozent aller Importe), gefolgt von China mit rund 1.200 Tonnen (27 Prozent) und Italien mit rund 900 Tonnen (20 Prozent).

Zwiebeln: 130 Prozent Eigenversorgung

Zwiebeln sind mit einem knapp 10 Kilogramm Pro-Kopf-Konsum in Österreich die Nummer zwei unter den meist gegessenen Gemüsesorten. Die Zwiebel gehört zu den weni­gen Gemüsesorten, von denen in Österreich mehr angebaut wird, als wir essen: Der Selbst­versorgungsgrad liegt bei 130 Prozent.

Österreich exportiert also folgerichtig deutlich mehr Zwiebeln als es importiert. Wich­tigstes Exportland war 2019 Ungarn mit rund 11.000 Tonnen (23 Prozent aller Exporte), gefolgt von Rumänien mit rund 8.500 Tonnen (18 Prozent) und Griechenland mit rund 5.400 Tonnen (12 Prozent).

Warum so wenig Eigenversorgung? Die Antwort: Fleisch

Der Selbstversorgungsgrad bei Fleisch liegt bei 109 Prozent – aber das bezieht sich nur auf die Menge, die in Österreich tatsächlich gegessen wird. Und die ist viel zu groß, denn pro Kopf essen ÖsterreicherInnen etwa dreimal so viel Fleisch wie eigentlich gesund ist (ForscherInnen empfehlen maximal 300 g rotes Fleisch pro Woche, um das Risiko von Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes gering zu halten). Berechnet man ein, was wirklich gesund ist, liegt der Selbstversorgungsgrad bei Fleisch über 300 Prozent!

Diese Überversorgung hat einen hohen Preis: Fleisch braucht für den gleichen Nährwert ein Vielfaches des Platzes von Obst und Gemüse, nicht nur für Weiden und Ställe, sondern auch für Futtermittel. Rund 60 Prozent der Ackerflächen in Österreich werden dazu verwendet, Futtermittel anzubauen. Rechnet man auch noch das Weideland hinzu, dann werden rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Österreich zu Ernährung von Nutztieren verwendet. Und trotzdem importiert Österreich zusätzlich jährlich rund 500.000 Tonnen Sojafuttermittel aus Übersee, für die oft wertvolle Wälder zerstört wurden.

Für den ausreichenden Anbau von Obst und Gemüse ist da einfach kein Platz mehr.

Es geht auch anders!

Um unser Lebensmittelsystem krisenfester, unabhängiger aber auch nachhaltiger zu machen, muss die Politik hier korrigierend eingreifen. Unterstützen Sie unsere Forderungen jetzt – bitte unterschreiben Sie unsere Petition für eine regionale, umweltfreundliche und krisensichere Lebensmittelversorgung!

Jetzt Petition unterzeichnen!

Ja, ich setze mich für eine regionale, umweltfreundliche und krisensichere Lebensmittelversorgung ein!

* Pflichtfelder. Der Petitionstext im Wortlaut. Wir achten auf Ihre Privatssphäre, näheres finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen. Die Ein­willigung zur Kontakt­aufnahme können Sie jeder­zeit wider­rufen via E-Mail an service@greenpeace.at oder pos­talisch an Greenpeace in der Wiedner Hauptstraße 120-124, A-1050 Wien.

Petitionstext

Warum Österreich sich nicht selbst versorgt – obwohl wir es könnten!

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger,

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Leonore Gewessler,

die Coronakrise hat uns deutlich vor Augen geführt, dass auch unsere selbstverständlich geglaubte Versorgungssicherheit in Österreich überraschend schnell ins Wanken geraten kann.

Denn das System wird auf vielen Ebenen geschwächt. Hohe Lebensmittelverschwendung sorgt für Ressourcen- und Arbeitsverschwendung. Billigimporte und falsche Förderungen gefährden kleinbäuerliche und regionale Strukturen. Zu viel Fleischerzeugung, Agrospriterzeugung und Bodenversiegelung machen die fruchtbaren Flächen zu knapp für Eigenversorgung. Klimakrise und extremes Wetter bedrohen künftige Ernten.

Zu allem Überfluss setzt die europäische Politik auch noch auf Handelspakte wie den mit dem Mercosur-Raum. Diese verstärken die Importabhängigkeit, bringen die heimischen Bäuerinnen und Bauern in Konkurrenz mit Agrarkonzernen aus Übersee und führen zu weltweiter Naturzerstörung.

Wir brauchen eine Trendwende! Denn kaum etwas ist wichtiger als Ernährung. Ich bitte Sie daher:

Schaffen Sie ein krisensicheres Ernährungssystem – und unterstützen Sie unsere 10 Punkte für eine krisensichere Lebensmittelversorgung:

  1. Verhindern zerstörerischer Handelspakte. Setzen Sie sich mit aller Kraft dafür ein, dass der zerstörerische Mercosur-Handelspakt in keiner Form kommt – weder in der derzeitigen Form noch mit wirkungslosen „Beipacktexten”.
  2. Ausbau der biologischen Landwirtschaft – 40 Prozent Bio-Flächen bis 2030. Die Bio-Landwirtschaft ist klimafreundlicher und ist deutlich weniger abhängig von importierten Betriebsmitteln.
  3. Reduktion des Fleischkonsums um 50 Prozent bis 2030. Das bedeutet gesündere Ernährung, weniger Flächenverbrauch und geringere Abhängigkeit von Soja-Importen.
  4. Echte Wahlfreiheit der KonsumentInnen durch Transparenz. Den Wandel zu einem gesunden Ernährungssystem können wir nur mit Hilfe informierter KonsumentInnen schaffen. Diese brauchen Lebensmittelkennzeichnung nach Herkunft und Qualität in allen Bereichen.
  5. Gezielte Förderung kleinbäuerlicher Strukturen in Österreich. Agrarfördermittel sollen nicht weiter nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern vor allem kleinteilige, vielfältige Strukturen stärken.
  6. Auf ein Krisenfestigkeit ausgerichtete öffentliche Beschaffung. Die Öffentliche Hand kann ein krisenfestes Lebensmittelsystem fördern – das heißt statt Billigstbieterprinzip mehr Bio, mehr regional, saisonal und weniger Fleisch.
  7. Halbierung der jährlichen Bodenversiegelung bis 2025. Durch ein Maßnahmenbündel aus Raumplanung, Städteplanung, verstärkten Schutzmaßnahmen für landwirtschaftliche Nutzflächen und gezielter Entsiegelung, um zu verhindern, dass uns weiterhin täglich fruchtbare Böden verloren gehen.
  8. Lebensmittelabfälle halbieren bis 2030. Eine Halbierung der Verschwendung könnte die Lebensmittelproduktion um 15 - 20 Prozent reduzieren. Das erhöht Versorgungssicherheit und senkt Treibhausgasemissionen.
  9. Verdoppelung der finanziellen Mittel für das österreichische Agrarumweltprogramm. Die zweckgewidmeten Fördermittel für Leistungen der Bäuerinnen und Bauern im Bereich Klima-, Biodiversitäts- und Umweltschutz sowie Tierwohl sollten von derzeit 25 Prozent auf 50 Prozent der Gesamt-Agrarförderungen erhöht werden.
  10. Keine weitere Beimischung von pflanzlichen Ölen zu Diesel. Flächen, auf denen Pflanzen für Agrotreibstoffe angebaut werden, sollten in Zukunft wieder zur Produktion von Lebensmitteln dienen, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Unsere Ernährung ist unsere Zukunft. Wenn wir und unsere Kinder noch in Jahrzehnten sichere Ernährung haben sollen, müssen wir heute etwas dafür tun.

Ich bitte Sie: Setzen Sie sich jetzt dafür ein!


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