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veröffentlicht am 12.01.2017

Greenpeace-Studie: Massive Risiken durch Pestizid-Einsatz bewiesen

Neonicotinoide sind hochwirksamen Pestizide, die trotz zahlreicher Risiken in der europäischen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Eine aktuelle Studie belegt nun eine akute Gefährdung unseres Ökosystems durch die Gifte: Neben den bisher nachweislich bedrohten Honigbienen sind auch zahlreiche weitere Tiere in Gefahr. Eine Bedrohung auch für die Nahrungsmittelproduktion.

Pestizide sind in Gewässern und Böden allgegenwärtig geworden

Köln. Im April 2013 kletterten Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten in der Karnevalstadt auf das Dach des Messegeländes, um bei der Hauptversammlung der Bayer-Aktionäre ein Zeichen zu setzen. Auf einem gelben Banner präsentierten sie neben dem Logo des Chemiekonzerns eine klare Nachricht: Pestizide töten Bienen! Der Einsatz zahlte sich aus: Noch im selben Jahr traten EU-weite Teilverbote für vier der sieben bienenschädlichsten Pestizide in Kraft.

Stark rückgängige Zahlen der Honigbiene haben damals die weitverbreiteten Umweltgifte zum Streitthema gemacht. Vier Jahre später belegen nun zwei unabhängige Wissenschaftler der University of Sussex in einer umfangreichen Studie die negativen Auswirkungen der Pestizide auf das Ökosystem: Auf Basis hunderter wissenschaftlicher Veröffentlichungen weisen sie nach, dass die Giftstoffe in Gewässern und Böden allgegenwärtig geworden sind und so die natürliche Vegetation kontaminieren. Dabei ist nicht nur die Honigbiene gefährdet.

Auch kommende Pflanzengenerationen sind betroffen

„Der Einsatz von Neonicotinoiden birgt für Tiere und Umwelt ein größeres Risiko als bisher angenommen“, erklärt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. „Die Studien zeigen, dass ein klarer Zusammenhangzwischen dem Einsatz der Pestizide und den schwindenden Zahlen von Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen besteht. Sogar Vögel können unter den Auswirkungen leiden.“

Die hohe Wasserlöslichkeit der Stoffe führt außerdem zu einer weitläufigen Gefährdung des Ökosystems. „Sobald es regnet, verteilen sich die Pestizide in Gewässern und im Boden, wo sie sich aufgrund ihrer teils hohen Halbwertszeit ansammeln können. Folglich sind dann auch kommende Pflanzengenerationen von der Kontaminierung betroffen“, mahnt Theissing-Matei.

Eine ökologische Landwirtschaft ist die Lösung

Bestäubende Insekten wie Bienen oder Hummeln spielen für die Landwirtschaft und folglich für die Nahrungsmittelproduktion eine entscheidende Rolle. Allein in Europa sind über 4000 Gemüsesorten von den Blütenbesuchern abhängig. Ökologische Bewirtschaftungssysteme erhalten die Biodiversität und kommen ohne Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide aus. Sie bieten so Lebensraum und Nahrung für wichtige bestäubende Insekten, statt diese zu gefährden.

Die Verantwortung sieht Theissing-Matei dabei in der Politik: „Nur ein europäisches Totalverbot von gefährlichen Neonicotinoiden kann Sicherheit in Agrarlandschaften und der weiteren Umwelt bringen. Bundesminister Rupprechter muss sich auf EU-Ebene für ein vollständiges Verbot dieser Pestizide einsetzen. Außerdem muss die Politik Bäuerinnen und Bauern unterstützen, die auf ökologischere Bewirtschaftungsmethoden umsteigen wollen.“

Hier finden Sie die Zusammenfassung der Studie "Umweltrisiken durch Neonicotinoide" sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch.

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