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veröffentlicht am 30.10.2020

Gifte auf unseren Tellern

Jede zweite Frucht aus Brasilien mit in EU verbotenen Pestiziden belastet

Greenpeace hat Obst aus österreichischen Supermärkten und Großmärkten testen lassen. Der Befund ist erschreckend: In neun von zwölf Früchten aus Brasilien konnten Pestizide nachgewiesen werden. In jeder zweiten Frucht solche, die in der EU verboten sind. Das hat eine Untersuchung durch ein unabhängiges Labor im Auftrag von Greenpeace ergeben.

Es gibt gute Gründe, warum der Einsatz einiger Pestizide in Europa streng verboten ist. Manche dieser Gifte sind nicht nur verheerend für die Umwelt, sondern auch gesundheitsschädigend. Sie wirken hormonell auf den Körper, können das Nervensystem schädigen oder stehen in Verdacht, krebserregend zu sein.

Umso erschreckender ist nun der Befund eines Labors (LVA GMBH), das im Auftrag von Greenpeace zwölf Früchte aus Brasilien untersuchte: Eben solche Gifte konnten in diesen Früchten, gekauft in verschiedenen Supermärkten und Großmärkten, nachgewiesen werden. Drei Viertel der Früchte waren allgemein mit Pestiziden belastet und in jeder zweiten Probe konnten Pestizide nachgewiesen werden, die in der EU verboten sind! Zwei dieser nachgewiesene Pestizide überschritten dabei sehr deutlich den Grenzwert und machen den Fall damit äußerst heikel.

Gefährliche Gifte in beliebten Obstsorten

Papayas, Mangos und Melonen sind bei uns sehr beliebte Obstsorten, die von Brasilien nach Europa in unsere heimischen Supermärkte gelangen. Eben solche Früchte wiesen bei der Untersuchung Pestizid-Belastungen auf. Bis zu vier verschiedene Pestizide konnten auf einer einzigen Frucht festgestellt werden! Insgesamt wurden zwölf verschiedene Pestizide gefunden, sieben davon dürfen in der EU selbst gar nicht eingesetzt werden. Unter ihnen auch die Gifte Dimethoat und Omethoat. Dimethoat ist ein starkes Insektizid und steht im Verdacht, hormonell wirksam und erbgutschädigend zu sein. Omethoat kann aus dem Abbau von Dimethoat entstehen und ist erbgutverändernd, hormonell wirksam und neurotoxisch. Der Einsatz beider Pestizide ist in der EU verboten, die Einfuhr von belasteten Lebensmitteln jedoch nicht. Sowohl Dimethoat als auch Omethoat wurden in einer mit dem Flugzeug importierten Mango festgestellt. Beide Gifte überschritten deutlich die vorgegebenen Grenzwerte - Omethoat gleich um 170 Prozent! Dieser Fund ist besonders alarmierend. Aus Sicht von Greenpeace dürfte so eine Frucht niemals in die Supermarktregale gelangen können. Doch leider schreiten die österreichischen Behörden nach derzeitiger Regelung erst ab einer Grenzwertüberschreitung von 200 Prozent ein.

„Derzeit ist es vollkommen legal, Lebensmittel in die EU zu importieren, auf denen in der EU verbotene Pestizide nachweisbar sind. Es ist aber vollkommen unlogisch, wenn wir gefährliche Pestizide zu Recht in der Europäischen Union verbieten, diese Gifte aber auf importierten Lebensmittel wieder zurück auf unsere Teller holen. In Zukunft sollten daher Pestizide, die in der EU verboten wurden, auch auf importierten Lebensmittel gar nicht mehr erlaubt sein“

fordert Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace Österreich.

Das Pestizid-Geschäft boomt

In Brasilien werden weiterhin mindestens 149 Pestizide eingesetzt, die in der Europäischen Union verboten sind, weil sie besonders schädigend für Umwelt und Gesundheit sind. Der Einsatz von Pestiziden in Südamerika erfolgt in großem Stil: Teilweise wird mit Flugzeugen gespritzt. Das hat eine große Belastung der umliegenden Landschaft zur Folge. Diese Praxis ist in der EU ebenfalls längst verboten. Europäische Agrochemie-Konzerne wie Bayer oder BASF verdienen jedoch Unmengen Geld durch den Export von Pestiziden nach Südamerika. 2019 wurden Pestizide im Wert von 915 Millionen Euro aus der EU in den Mercosur-Raum exportiert.

Derzeit betragen die Zölle für Pestizide bis zu 14 Prozent. Das EU-Mercosur-Handelsabkommen sieht jedoch vor, mehr als 90 Prozent der EU-Chemieexporte zukünftig ganz von Zöllen zu befreien. Gleichzeitig sollen mit dem Pakt auch die Lebensmittelimporte aus Südamerika nach Europa steigen. Sollte dies eintreten, könnten die Agrochemie-Konzerne noch mehr Profite aus den giftigen Spritzmitteln schlagen und das Gesundheitsrisiko für Mensch und Natur würde steigen. Der EU-Mercosur-Pakt darf daher gar nicht erst zustande kommen!

Forderungen von Greenpeace

Der Einsatz der in der EU verbotenen Pestizide in Südamerika stellt in erster Linie eine große Gefahr für Mensch und Natur vor Ort dar. Aber auch wir in Österreich und der EU sind davon betroffen. Gifte, deren Einsatz in der Europäischen Union verboten ist, werden von großen Agrochemie-Konzernen in den Mercosur-Raum exportiert und landen dann zum Schluss auf unseren eigenen Tellern.

Greenpeace fordert, dass solche Pestizide, deren Einsatz aus guten Gründen in der EU verboten ist, auch auf unseren Lebensmitteln nicht nachweisbar sein dürfen. Besonders die Grenzwertüberschreitung ist ein alarmierender Befund, der sofortiges Handeln fordert. Greenpeace fordert daher vermehrte Tests durch österreichische Behörden und Null-Toleranz bei Grenzwertüberschreitungen!

Das EU-Mercosur-Handelsabkommen würde durch die Begünstigung von europäischen Agrochemie-Konzernen und den vermehrten Import von Lebensmitteln aus Südamerika den Einsatz von gefährlichen Pestiziden weiter fördern. Darunter würden die Umwelt und die Gesundheit der Menschen noch stärker leiden. Greenpeace fordert daher auch ein sofortiges Aus für den EU-Mercosur-Pakt!

„Ob mit gefährlichen Pestiziden belastete Früchte, Hormonfleisch oder Gentechnik-Soja: Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Österreich lehnt ab, was ihnen mit dem EU-Mercosur-Pakt aufgetischt werden soll. Der ruinöse EU-Mercosur-Pakt muss jetzt endlich ein für alle mal vom Tisch“

fordert Theissing-Matei.

Gemeinsam müssen wir Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck jetzt klar machen: Sie muss in Brüssel gegen den katastrophalen Handelspakt kämpfen! Schicken Sie ihr noch heute ein E-Mail und fordern Sie einen starken Einsatz gegen den Katastrophenpakt!

Hier an E-Mail-Aktion teilnehmen.

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