veröffentlicht am 27.05.2021

Regenwaldzerstörung auf unseren Tellern

Das globale Artensterben hat bedrohliche Ausmaße angenommen: Weltweit sind derzeit 25 % der Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Schuld an dieser Krise, die auch als sechstes großes Massensterben bezeichnet wird, trägt der Mensch. Denn damit der Hunger der Industrieländer nach Fleisch oder Süßigkeiten wie Schokolade gestillt werden kann, werden Regenwälder abgeholzt, Moore stillgelegt und Savannen ausgetrocknet, um mehr Acker- und Weideflächen zu schaffen.

Die Studie „Die Auswirkungen des österreichischen Imports ausgewählter Lebensmittel auf Flächenverbrauch, Biodiversität und Treibhausgasemissionen in den Anbauregionen des globalen Südens“ des Forschungsinstituts für biologischen Landbau hat untersucht, welche Auswirkungen der Import von relevanten Lebensmitteln sowie Lebensmittelrohstoffen (Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Rohrzucker, Banane) nach Österreich auf den Flächenverbrauch vor allem in Ländern des Globalen Südens hat. Analysiert wurde zudem, wie der österreichische Konsum dieser Produkte das Artensterben in den Herkunftsländern beeinflusst und welche Tierarten beispielhaft bedroht sind. Dabei zeigt sich ganz klar: Österreich trägt durch Lebensmittelimporte eine Mitschuld an der Zerstörung von wertvollen Ökosystemen und ist somit für die damit verbundenen fatalen Auswirkungen auf die Artenvielfalt mitverantwortlich.

Die wichtigsten Ursprungsländer und Mengen der von Österreich pro Jahr importierten Lebensmittel und Futtermittel sind:

  • Sojafuttermittel (insgesamt 740.000 t/Jahr)
    Brasilien (185.800 t/Jahr bzw. 25% Anteil)
    Argentinien (144.500 t/Jahr bzw. 20%) und die
    USA (101.700 t/Jahr bzw. 14%)
  • Palmöl (ca. 36.800 t/Jahr für die Nahrungs- und Futtermittelverwendung)
    Malaysia (18.200 t/Jahr bzw. 50% Anteil)
    Indonesien (8.800 t/Jahr bzw. 24%)
  • Kaffee (insgesamt 71.900 t/Jahr)
    Brasilien (30.200 t/Jahr bzw. 42% Anteil) und
    Vietnam (19.700 t/Jahr bzw. 27%)
  • Kakao (insgesamt 53.100 t/Jahr)
    Elfenbeinküste (30.200 t/Jahr bzw. 57% Anteil ) und
    Ghana (10.600 t/Jahr bzw. 20%)
  • Rohrzucker (5.900 t/Jahr)
    v.a. aus Mauritius und Eswatini
  • Bananen (150.000 t/Jahr)
    v.a. aus Costa Rica und Kolumbien

Die Produktion dieser Lebensmittel und Rohstoffe erstreckt sich auch auf Tropenwälder, Savannengebiete oder Naturschutzgebiete (beispielsweise auch illegalerweise in der Elfenbeinküste). Die Vernichtung dieser äußerst artenreichen Ökosysteme – unter anderem für die genannten Exportgüter – ist mit hohen Treibhausgasemissionen, negativen sozioökonomischen Folgen wie Kinderarbeit und insbesondere mit einem großen Verlust der Artenvielfalt verbunden. Die Zukunftsprognosen für den globalen Konsum zeigen, dass die konsumierten Mengen an Kaffee, Kakao, Palmöl u. a. noch weiter deutlich steigen werden.

Flächenverbrauch der nach Österreich importierten Güter

Der jährliche Import von Sojafuttermittel nimmt mit Abstand die größte Fläche ein (285.714 ha) ein, gefolgt von Kakao (99.542 ha) und Kaffee (53.423 ha). Dahinter rangiert der jährliche Palmöl-Import mit 9.459 ha für die Verwendung im Bereich Nahrungs- und Futtermittel (gesamt: 41.265 ha; inkludiert die großen Mengen an Palmöl für die Agrotreibstoffverwendung), mit Abstand gefolgt von Bananen (6.931 ha) und Rohrzucker (536 ha). Es zeigt sich, dass für die ausgewählten, jährlich nach Österreich importierten lebensmittelassoziierten Güter – Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Banane und Rohrzucker – in Summe eine Gesamtfläche von ca. 455.600 ha beansprucht wird. Das entspricht dem Elffachen der Fläche der Stadt Wien mit 41.487 ha.

Betrachtet man die Regionen, in denen die untersuchten Güter produziert werden, wie etwa die indonesische Insel Sumatra oder die brasilianische Savanne Cerrado dann zeigt sich, dass diese fast durchgehend eine hohe Biodiversität aufweisen. Zum größten Teil liegen sie zudem an den aktuellen Entwaldungsfronten, wo die stärksten Waldverluste verzeichnet werden. Um den Impact auf die Biodiversität in den Herkunftsregionen zu quantifizieren, wurde der sogenannte Biodiversitätsfootprint berechnet, welcher abschätzt wie groß der potenzielle Verlust an Biodiversität durch eine bestimmte Landnutzung ist. In diesen gehen einerseits ökoregionsspezifische Charakterisierungsfaktoren (CF) ein, die in Gebieten mit großer Artenvielfalt, vielen endemischen und/oder gefährdeten Arten hoch ausfallen, andererseits die in Anspruch genommene Fläche.

So ist der CF des brasilianischen Cerrado oder des argentinischen Chaco doppelt so hoch wie der durchschnittliche CF der in Österreich dominierenden Ökoregionen. Der CF der Regenwälder der malaiischen Halbinsel ist sogar 21-mal und der CF der Feuchtwälder Costa Ricas 34-mal so hoch. Folglich ist beispielsweise der Biodiversitätsfootprint für den Anbau von Soja als Futtermittel in Brasilien besonders groß, ebenso für Kakao aus der Elfenbeinküste.

Wie kann die Umweltzerstörung gestoppt werden?

Wenn Österreich die Importe dieser Produkte reduziert, hilft es dabei, den Druck auf Tropenwälder, Savannen und weitere sensible Ökosysteme im Globalen Süden zu verringern. Hingegen werden durch den prognostizierten weiter stark zunehmenden Konsum dieser Produkte teilweise in Österreich, aber auch in der EU und vor allem in China, weitere Anbauflächen benötigt und damit diese Ökosysteme weiter degradiert.

Handlungsempfehlungen für die Ernährung zur Verringerung des Konsums dieser Produkte sind daher:

  • Reduktion des Konsums und bewusster Konsum von Kaffee, Kakao, Bananen, Rohrzucker.
  • Die Sojafuttermittelimporte können durch einen deutlich verringerten Fleischkonsum und/oder durch eine vegetarische bzw. vegane Ernährung und somit durch einen gesünderen Ernährungsstil deutlich reduziert werden.
  • Solange Naturflächen für Palmöl zerstört werden, müssen die Palmölimporte reduziert werden.
  • Verwendung von Alternativen zu den Genussmitteln Zucker, Kakao und Kaffee.
  • Bevorzugt Bio-Produkte und Fair-Trade-Produkte (insbes. bei Kaffee, Kakao, Bananen) bzw. palmölfreie Bio-Produkte kaufen.


Eine Zusammenfassung der Studie mit mehr Informationen, können Sie hier lesen.

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